Text 2 D Fries

Arbeitstechnik und Komposition von Ingrid Mauthner
Text: Doris Fries

Ingrid Mauthner arbeitet in erster Linie malerisch und grafisch.Sie bedient sich vornehmlich einer gegenständlichen Bildsprache, die sie mittels einer spontanen und raschen Arbeitsweise – Mauthner selbst spricht von „entschlossener Malerei“ – umsetzt. Diese Dynamik und Bewegtheit durchzieht einen Großteil ihrer Arbeiten und verleiht ihnen ihre eigentümliche Präsenz und Lebendigkeit. Dabei nimmt gerade auch das Dekorative und „Nichtnarrative“ einen wichtigen Stellenwert innerhalb von Mauthners Bildkosmos ein:
Sei es etwa in der Applikation von Schriftzügen auf der Bildfläche, in Form von coolen Slogans als dynamisch-atmosphärisches Mittel, in Form von überdimensionalen Arabesken oder opulenten Stoff- oder Tapetenmuster, die Mauthners Bildszenerien hinterfangen. Dennoch, dieses Gestaltungsmittel als rein schmückendes Beiwerk und behübschendes Accessoire abzutun wäre zu wenig.- Vielmehr wird das Dekor in Ingrid Mauthners Bildern zum eigenständigen Kompositionsmittel erhoben: die Beeinflussung der Künstlerin durch Cartoon und Graffito aus der Unterhaltungs- und Streetkultur wird hier besonders evident. Mauthners Bildkonstruktionen sind durchwegs freie Montagen auf der Leinwand, in denen Erzählerisch-Abbildhaftes mit Dekorativ-Abstraktem verwoben wird und gleichwertig Eingang in das Bildgeschehen findet. Dabei wird der einheitliche Bildraum mit Zentralperspektive oftmals zugunsten einer visuellen Pluralität und vielschichtigen Bilddynamik aufgegeben. Einen wichtigen Stellenwert in Ingrid Mauthners Kunst nimmt die Farbigkeit ein. Farbe als Kompositions- und Ausdrucksmittel spielt eine große Rolle im bildnerischen Schaffen der Künstlerin. Eine üppig-satte Farbpalette prägt ihre Bildsprache. Sie kommt nicht nur als narratives Mittel zum Einsatz, sondern wird insbesondere auch in seiner anaturalistischen Qualität zum Ausdrucksträger von Emotionen und Stimmungen, etwa um zeitgeistiges Feeling und Coolness zu evozieren oder aber auch rein zu dekorativen Zwecken. In das „Model“ und „Twins I und II“ (alle 2005) etwa präsentieren sich die abgebildeten Protagonisten dem Betrachter ebenso kühl-distanziert, wie auch zerbrechlich. Das leuchtende Kolorit dieser Arbeiten drückt hervorragend die vordergründig lauten und schillernden Aspekte des Modebusiness aus.

Œuvre

“Ich erzähle gerne Geschichten; daher ist mir die gegenständliche Malerei näher. Es ist mir ein starkes  Bedürfnis, dem Betrachter etwas mitzuteilen”, erklärt die Künstlerin in einem Interview mit Ö1 im Jahr 2003.

Ingrid Mauthners Arbeiten sind erzählerische Werke, die ihren Stoff primär aus dem gesellschaftlichen Leben des Hier und Jetzt beziehen. Dabei sind es weniger die Handlungen und Ereignisse des Alltags, denen die Künstlerin in ihren Arbeiten besondere Aufmerksamkeit schenkt, sondern vielmehr der schillernd-dekadente Auftritt der „High Society“. Seit jeher üben Gesellschafts-, Mode- und Lifestyle-Magazine und deren augenfällige Hochglanzästhetik eine starke Anziehung auf die Künstlerin aus. Es sind insbesondere die Bilder und Szenerien aus diesen Blättern, durch die Mauthner für ihre Arbeiten angeregt wird und die in Eingang in ihre Bilderwelten finden. Die Grenze zum Kitschig-Trashigen lässt sich dabei nicht immer klar ziehen – ein gekonnt eingesetztes Gestaltungsmittel der Künstlerin, mit welchem sie auf die Artifizialität und Konstruiertheit dieser Medienbilderwelt verweist. Im Jahr 2009 entsteht unter dem Motto „Aus dem Boudoir“ eine Serie kleinformatiger, intimer Gemälde, in der sich die Künstlerin auf das Genre der „Boudoirmalerei“ bezieht. Diese sich unter ihrem Hauptvertreter François Boucher im Frankreich des 18. Jahrhunderts herausbildenden Kunstgattung führt den Betrachter eine heiter-sinnliche Welt vor Augen, die gespickt ist mit lasziv-erotischen Sujets aus Mythologie und Allegorie. Mauthners Arbeiten der Serie gemein mit dieser historischen Strömung ist die Rolle des Voyeurs, die dem Betrachter dieser Arbeiten unwillkürlich zu Teil wird. Die naiv-verspielte Rokokoerotik eines Boucher weicht bei Mauthner hingegen einer enttabuisierten und schonungslos offengelegten Erotik. Ihre Bilder mit den Titeln „You and me“, „Komm‘ näher, Schatz“, „Supernatural IN2U“, „Mandy“ (alle 2009) reflektieren, nicht ohne Kritik, unsere übersexualisierte Medienwelt, mit der wir tagtäglich konfrontiert werden. Daneben ist es insbesondere die Landschaftsmalerei, die einen weiteren, wichtigen Teil in Mauthners Schaffen einnimmt. So sind es etwa die ihr so vertrauten, weitläufigen Weinterrassen und Äcker ihrer niederösterreichischen Heimat in und um die Orte Retz und Horn, die ihr von Anbeginn ihres künstlerischen Schaffens als Sujet zur Verfügung standen und nach wie vor ein beliebtes Motiv der Malerin darstellen. Darunter sind besonders jene Landschaftsaufnahmen, bemerkenswert, in denen Ingrid Mauthner ihre Farbpalette mit anaturalistischem Kolorit anreichert: Die in partiell pastelligen oder poppig-grellen Farben wiedergegeben Naturstücke zeichnen sich nicht nur durch eine gesteigerte Expressivität aus, sondern erinnern nicht zuletzt aufgrund ihrer märchenhaften Phantastik ihrerseits wiederum an die „Society-Werkserie“ der Künstlerin. (Siehe etwa „Smooth Transition“, 2006.) – Eine gestalterische Charakteristik, die wohl nicht ohne die Verbindung zu ihrem Lehrer Hubert Schmalix gesehen werden kann. Der Zeitspanne zwischen 2001 bis 2005 sind eine Reihe von grafischen Blättern in Mischtechnik zuzuordnen, bei denen es sich durchwegs um private Portraits von Jugendlichen handelt, die Mauthner in alltäglichen Handlungen festhält. Die bekannt poppigen Farben, mit welchem beispielsweise „Martin“ (2005) zu Papier gebracht wurde, stehen in starkem Kontrast zum verinnerlichten Zustand des Protagonisten, in dem er gegeben ist. Ganz in sich zurückgezogen, lässig auf dem Boden, in einer Ecke, hockend hat er seine gesamte Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand konzentriert, den er in seiner Linken hält. Es lässt sich erahnen, dass es sich dabei um ein Handy oder einen Music Player handelt. Mit seinem kurz geschorenen Haar, der farbenfrohen Bekleidung und der meditativen Versenkung in der er gegeben ist, ist der Dargestellte nicht nur ein typischer Vertreter zeitgenössischer Jugendkultur, sondern weckt darüber hinaus Assoziationen zur Lebenskultur buddhistischer Mönche. Die Arbeit weckt ihrerseits Assoziationen zu den intimen Portraits von Rockstars der New Yorker Malerin Elizabeth Peyton, die einige Jahre zuvor entstanden sind. – Vergleiche etwa „Blur (Kurt)“ (1995), „September (Ben)“ (2001).