Text 2 Ch Rodler

Zum Werk von Ingrid Mauthner anlässlich der Ausstellung TASTE IT
Text: Christoph Rodler

Was beim Betrachten der Bilder Ingrid Mauthner’s ins Auge sticht und dauerhaft im Gedächtnis bleibt ist die starke Präsenz des Dekorativen, ob es als Stoff- oder Tapetenmuster Stuckelement oder als Typografie bis hin zum Grafitti erscheint. Haben die Bilder auch dekorativen Charakter, ist dies nicht der Selbstzweck der Arbeiten. Das Dekor ist nur ein Teil, welches mit anderen Bildelementen gleichsam eine Synthese eingeht. Es finden sich figurative Szenen und Interieurs wie sie aus Lifestyle- und Fashionmagazinen bekannt sind, inszenierte Räume und Situationen mit einem Anflug von Decandance. Trotz der starken Präsenz dieser Themen sind auch sie nicht der Hauptinhalt der Bilder Ingrid Mauthner’s. Sie sind nur der Ausgangspunkt eines künstlerischen Prozesses in dem Inhalt und Form synthetisiert werden. Die gegenständliche Komposition wird oft in vereinfachter flächiger Form wieder gegeben, wobei die natürliche Farbigkeit im Sinne einer gesteigerten Wirkung der Malerei eines reinfarbigen Kolorits oft kontrastiert mit Schwarz untergeordnet wird. Die Perspektive wird zugunsten des Bildaufbaus frei gestaltet; manchmal komplett aufgegeben. Der Raum wird dann zur reinen Bildfläche, welche zuweilen dekorative Elemente enthält. In einem weiteren Schritt lösen sich sogar diese ornamentalen Strukturen auf, werden abstrahiert, sodass der malerische Prozess zum alleinigen Gestaltungsmittel des Bildes wird.

In diesem Spannungsfeld von figurativer gegenständlicher und abstrakter Malerei bewegt sich die Kunst von Ingrid Mauthner. Mit geübtem Instinkt gelingt es ihr, in einem gewiss nicht unproblematischen Terrain, dass die daraus entstehenden Bilder nicht selbst wieder Dekorationen werden. Dies ist keine leichte Gratwanderung und die Entscheidung, ob eine Arbeit mehr als ein ästhetisch, dekorativer Gegenstand anzusehen ist oder darüber hinaus geistige Inhalte evozieren kann ist oft nicht eindeutig oder allgemein gültig zu treffen.